Xbox-Classics: BurnOut 3 Review

Wenn man seit fast zwanzig Jahren keine Email gelöscht hat, dann hat es einen großen Vorteil: Man findet auch nach elf Jahren die Spiele-Reviews, die man „damals“ geschrieben hat. In diesem Sinne – nicht mehr ganz frisch, aber es war damals ein tolles Spiel mit einem grandiosen Soundtrack, den ich noch heute im Auto höre – das Review von BurnOut 3 Takedown für die Xbox (die erste Xbox wohlbemerkt):

Eines vorweg. BurnOut 3 ist kein Rennspiel. Es ist ein Reaktionstest. Kein Spieler wird sich mit der Steuerung beschäftigen müssen oder versuchen, das Verhalten der Autos in den Griff zu bekommen. Auf vielen Strecken genügt es die grobe Richtung mit dem Controller vorzugeben und das weitere Lenken übernehmen die Leitplanken. In einem Rennspiel geht es in erster Linie darum, möglichst schnell von Punkt A zu Punkt B zu kommen. In BurnOut haben zwar viele Rennen auch entfernt damit zu tun, aber das primäre Ziel ist es auf dem Weg von Punkt A zu Punkt B an der Umwelt und besonders den Gegnern so viel Schaden wir möglich zu hinterlassen.

Fast, Faster, BurnOut

Kein Screenshot, kein heruntergeladenes Video kann wirklich vermitteln wie schnell dieses Spiel ist. Es ist auch nach mehreren Stunden schier unfassbar wie schnell die Rennen sein können. Im Gegenverkehr ein Rennen zu fahren ist schon der helle Wahnsinn, aber wenn man dann noch zusätzlich den Turbo zündet, dann hat man das Gefühl, dass man in einem Jet auf der Straße unterwegs ist. So muss es sich anfühlen, wenn man im freien Fall die Schallmauer durchbricht. Spätestens jetzt ist man froh, dass das Spiel eine einfache, eingängige Steuerung hat. Links, rechts, etwas Gegenlenken, etwas Bremsen. Das ist alles was man können muss. Es bleibt einfach nicht genug Zeit, um sich mit der Lenkung zu beschäftigen. Viel zu sehr ist man damit ausgelastet zu reagieren. Zu reagieren auf die Gegner und den teilweise sehr dichten Gegenverkehr. Genug der Lobeshymnen über die Geschwindigkeit. Wer das Spiel kauft, tut es deswegen und wegen der spektakulären Crash Szenen. Und spektakulär ist fast alles an diesem Spiel. War bereits der Vorgänger spektakulär, so haben es die Entwickler von Criterion diesmal auf die Spitze getrieben.

Pedal to the metal

Grob gesagt gibt es in BurnOut 3 zwei Arten von Wettbewerben. Die Rennen gegen einen oder mehrere Gegner und die Crash Events. Bei den Rennen gilt es entweder als erster ins Ziel zu kommen oder innerhalb eines bestimmten Zeitlimits eine vorgegebene Anzahl an Gegnern in die Leitplanken oder den Gegenverkehr zu schubsen. Dieses brutale Vorgehen muss man praktisch immer an den Tag legen, denn das Zerstören eines gegnerischen Autos, der sogenannte Takedown, oder auch eines unbeteiligten bringt nicht nur Punkte, sondern auch Nachschub für den Turbo. Drängt man einen Gegner an eine Mauer und zerschellt er an ihr, dann wird das nicht nur in einer spektakulären Zeitlupe eingeblendet, sondern auch der Turbo am unteren Bildschirmrand gefüllt. Zündet man diesen Turbo nun, dann bricht auf dem Fernseher die Hölle los. Die Sicht wird durch einen Weichzeichner-Effekt etwas eingeschränkt, die Landschaft verwandelt sich in ein vorbeifliegendes Etwas. Mit dieser Geschwindigkeit kann man nicht nur die Widersacher wieder einholen, sondern sie auch von hinten rammen. Das erhöht die Chance, dass man erneut jemanden an die Wand drängt und erneut seinen Turbo auffüllen kann. So einfach wie es sich zuerst anhört, ist es natürlich nicht, denn die Gegner versuchen das ebenfalls. So arten diese Rennen teilweise in einen Krieg auf der Straße aus. Eine sehr nützliches Feature ist der Aftertouch Takedown. Kann man einen Unfall nicht mehr verhindern und kracht in eine entgegenkommendes Fahrzeug oder eine Wand, dann wird die Ansicht umgeschaltet. Man sieht von außen in Zeitlupe wie das eigene Fahrzeug in Tausend Stücke zerlegt wird. Währenddessen kann man für eine kurze Zeit das Fahrzeug, in gewissen Grenzen, noch immer lenken. Hat man Glück, dann erwischt man einen oder sogar zwei nachfolgende Kontrahenten und kassiert dafür trotz Unfalls weiteren Boost-Nachschub. Sehr praktisch. Doch nicht nur der Takedown eines Gegners bringt Punkte und Energie, sondern nahezu jede riskante und brutale Aktion. Riskantes Fahren im Gegenverkehr, das erfolgreiche Passieren einer Unfallstelle oder auch das Driften mit dem Fahrzeug machen dem Spieler das Leben leichter und erhöhen seine Siegeschancen.

Eine weitere Spielvariante sind die Crash Events. Hier geht es um die pure Zerstörung. Man rast mit seinem Auto auf eine, meist stark befahrene, Kreuzung zu und versucht so viel Schaden im fließenden Verkehr anzurichten wie nur möglich. Hat man Glück, dann löst man eine wahre Kettenreaktion der Zerstörung aus. Ein Tanklaster kann in einen Bus krachen und explodieren, kurz darauf werden diese beiden von einem Van gerammt in den anschließend weitere Verkehrsteilnehmer rasen. So ungefähr sehen, gelungene, Crash Events aus. Natürlich kann es auch passieren, dass man sein Fahrzeug in einen Baum lenkt und er dort still vor sich hin schmort und keinen Schaden verursacht. Um den Schaden auf einer Kreuzung zu maximieren, kann man auf dem Weg dorthin diverse Boni aufsammeln. Turbo Boost und Multiplikatoren etwa. Hat man dafür gesorgt, dass eine bestimmte Anzahl an Fahrzeugen in einen Unfall verwickelt werden, dann gibt es ein zusätzliches Bonbon. Den Crashbreaker. Damit löst man eine Explosion seines eigenen Fahrzeugs aus und während dieses in die Luft geschleudert wird, kann man das fliegende und rauchende Wrack in weitere Verkehrsteilnehmer lenken und erneut Schaden anrichten. Im Laufe der Zeit werden diese Crash Events immer komplizierter. Um zu einer viel befahrenen Kreuzung zu gelangen, muss man zuerst eine oder zwei kleinere Kreuzungen passieren, ohne sein eigenes Auto zu zerstören. Auf dem Weg dorthin darf man sich allerdings nicht unendlich viel Zeit lassen, denn irgendwann läuft die Zeit ab. So kann es ein wenig dauern, bis man die optimale Strategie für jede Kreuzung herausgefunden hat. Nicht immer ist dabei der Weg der maximalen Beschleunigung der beste.

Crash World Tour

Die Entwickler haben eine schier unendliche Menge an verschiedenen Events in das Spiel gepackt. Je nach dem errungenen Punktestand kann man immer neue Rennen und Crash Events frei schalten. Es dauert sehr lange, bis man alle 173 Events auf über 40 Strecken und auf drei Kontinenten gesehen hat. Hinzu kommen unzählige Autos. Von der lahmen Mittelklasse bis zum Formel 1 Flitzer. Die Fahrzeuge sind zwar nicht lizenziert, sondern frei erfunden, sie sind aber an reale Vorbilder angelehnt und man könnte sie jederzeit auf der Straße wieder finden. Die Fahrzeuge unterscheiden sich dabei nur in der Geschwindigkeit und ihrem Gewicht, das bei einem Crash einen entscheidenden Vorteil bringen kann. Natürlich werden die Herausforderungen dabei immer größer. Kann man anfangs ganz locker jedes Rennen und jeden Crash Event mit mindestens einer Silbermedaille abschließen, wird es im späteren Verlauf schon wesentlich härter. Nicht nur, dass einige Rennen sehr lang sind, auch die Kontrahenten werden aggressiver. Für genügen Spannung und Langzeitspaß ist also gesorgt.

Grafik und Sound

Zuerst der negative Aspekt: Hält man bei einem Rennen an und sieht sich beispielsweise den Straßenbelag an, bemerkt man, dass die Texturen nicht sehr viele Details aufweisen. Auch die Fahrzeuge sind nicht so perfekt und schön wie in Project Gotham Racing 2 oder RalliSport Challenge 2. Nun der positive Aspekt: Niemand hält bei BurnOut 3 an und sieht sich den Straßenbelag an. Einige Elemente sind nicht etwa schlecht umgesetzt, sondern nur etwas schlichter. Spätestens bei den ersten Rennen weiß man aber warum. Der Gesamteindruck der Grafik ist unglaublich beeindruckend. Nichts ruckelt, es gibt keinen Grafikaufbau und die Weitsicht reicht ins Unendliche. Die Städte sind teilweise wunderschön gestaltet. Es gibt unzählige Details, die Straßen und Gebäude strotzen nur so vor lauter liebevollen Details. Der Verkehr in den Städten ist teilweise sehr dicht und verhindert ein flottes Vorankommen. Hinzu kommen die unglaublichen Unfälle. Wenn man mit Vollgas frontal in einen Bus kracht und das eigene Auto, der Bus und auch der nachfolgende Verkehr hollydwoodreif in Stücke gerissen werden, dann weiß man, warum Criterion an einigen Stellen die letzten Details eingespart hat. Die Autos werden bei diesen Unfällen in sämtliche Einzelteile zerfetzt, Scheiben bersten in tausend Stücke und meist bleibt nur ein Klumpen übrig, der kurz vorher die Karosserie war. Dass dabei die Autos manchmal so hoch fliegen wie tieffliegende Flugzeuge, ist zwar nicht besonders realistisch, steigert den Spaß aber nochmals. Der Sound steht dabei kaum nach. Die „Vorbeiflüge“ an anderen Fahrzeugen sind von glasklarem Dolby Digital Sound untermalt, der jederzeit in den korrekten Lautsprechern klar zu orten ist. Während der Rennen und auch mittendrin wird das Geschehen von einem gut aufgelegten Radio DJ begleitet, der immer einen passenden Spruch parat hat. Auch der Soundtrack aus zahllosen lizenzierten Tracks passt perfekt zu den Rennen. Einzig die Motorgeräusche könnten etwas kräftiger sein.

Online

Nahezu alle Rennmodi und Kurse aus dem Offline Modus sind auch online spielbar. Ein Test dieser Internet Raserei folgt in Kürze.

Fazit

BurnOut 3 Takedown ist ein perfektes Spiel. Jeder, der sich im Entferntesten für spaßige Rennaction interessiert, wird an diesem Spiel nicht vorbeikommen. Besonders die unglaublich spektakulären Unfälle sind nicht nur schön anzusehen, sie machen einfach Spaß. Wer nicht gesundheitlich eingeschränkt ist, und das ist kein Spaß, denn die unmenschlich schnellen Rennen sind nicht jedermanns Sache, der hat in BurnOut 3 Takedown vielleicht das Spiel des Jahres vor sich.

Nur zwei winzige Kritikpunkte gibt es Während der Rennen kann man nicht nach hinten oder zur Seite sehen, was die Navigation erschwert. Eine Funktion, um die Rennen zu speichern und als Replay anzusehen, wäre das Tüpfelchen auf dem I.

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